Real Racing 3 macht mir Angst
28 Feb
Ich weiß, ich weiß, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Trotzdem lässt mir das F2P-Modell von Real Racing 3 keine Ruhe, selbst wenn aktuell zumindest die Reparatur-Zeiten mal wieder in der serverseitigen Boxengasse verschwunden sind. Die – deutlich längeren – Servicezeiten sind nach wie vor vorhanden, wenn auch nicht ganz so häufig nötig. Ich sehe ja ein, das Spiel ist mit viel Geduld kostenlos “spielbar” ist. Dennoch möchte ich nicht, dass dieses Modell Schule macht. Warum? Weil es für mich den Spielfluss gnadenlos zerstört.
Es zeigt in eine Richtung, die eines unserer liebsten Hobbies zu ruinieren droht. Stellt euch vor, Microsoft und Sony würden mit ihren neuen Konsolen diese Art von Geschäftsmodell rigoros einführen. Klar, “kostenlose” Spiele für alle. Klingt doch fantastisch! Demos wären nicht mehr notwendig, weil doch alles für umme verfügbar ist. Nur Spielfluss würde es keinen mehr geben, es sei denn, wir werfen unzählige F2P-Münzen, die für teures Geld erworben werden müssen, in den virtuellen Münzslot.
Ständig wird einem – direkt oder indirekt – unter die Nase gerieben, doch bitte Echtgeld einzuwerfen. “Hey, es gibt den neuen Porsche gerade im Sonderangebot, 50% billiger. Du hast zwar aktuell nicht genügend Spiegeld, aber du kannst doch für ein paar Euro welches erwerben.” Oder ich spiele noch viele Stunden mit der gleichen lahmen Karre weiter, bis ich endlich genug verdient habe…
Rennen üben? Faktisch unmöglich, da ein direkter Neustart nicht möglich ist, sondern erst repariert (und damit gewartet) werden muss. Aber wer will schon üben? Springe fleißig von einem Event zum anderen, von einem Wagen zum nächsten, dann musst du auch nicht zahlen. Nicht gerade meine Vorstellung von Spielfluss in einem Rennspiel. Aber vielleicht bin ich mit meiner Einstellung, ein Rennen erneut versuchen zu wollen, wenn ich wegen eines Fahrfehlers oder der hoffnungslos Ideallinie fahrenden (und damit teils extrem drängelnden KI) wieder mal eine Kurve versemmelt habe, auch nicht der typische Rennspieler? Frage mich dann aber, wieso die Rückspulfunktion großer Titel sich offenbar zum Standard entwickelt hat.
Mich stört zudem gewaltig, dass ich nicht mal eine sinnvolle Option geboten bekomme, mich von dem Wahnsinn ein für alle mal freizukaufen. Klar, ich kann mir für 8.99€ ein schnelles Auto und 65 Goldmünzen kaufen. Alternativ 300.000 Ingame-Dollar. Damit bekomme ich aber gerade mal einen Mittelklasse-Rennwagen samt ein paar Upgrades. Ich sehe nicht ein, Geld für etwas zu zahlen, nur um ein paar Stunden später wieder an der nächsten Bezahlschranke ausgebremst zu werden.
Klar, für Levelaufstiege und erreichte Achievements bekomme ich Goldmünzen. Nur gibt es eben auch genügend Wagenupgrades, die ausschließlich für Goldmünzen zu erwerben sind. Sogar manche Boliden gibt es explizit nur für die F2P-typische Zweitwährung. Ich finde es bedenklich, wenn sogar Guides erstellt werden (müssen), die die Problematik “Wie komme ich möglichst günstig durch ein Spiel” behandeln.
Auf die teils massiven Balancing-Probleme mit dem Timeshifted Multiplayer (es werden die Fahrzeiten von echten Spielern genommen und mit der KI des Spiels verrechnet) kommt es da letztlich schon gar nicht mehr an. Manche Rennen schließe ich mit 1,5km Vorsprung ab, während bei anderen Veranstaltungen trotz voller Upgrades nicht über den 5. Platz hinaus komme. Ich bleibe dabei, was ich schon zum Softlaunch vor zwei Wochen im Appsacker gesagt habe: Schade um das schöne Spiel, die hübsche Grafik und das sehr gute Fahrgefühl. Wer eine etwas positivere Meinung hören möchte, dem empfehle ich Folge 700 von Insert Moin (formerly known as Breakfast@manuspielt’s). Weint mir dann aber nicht über die “gute alte Zeit” die Ohren voll, wenn das Modell 2020 Standard ist und ihr ein neues Hobby braucht.








